Das Mathemagikum

Es gibt viele Wege zur Mathematik und sicher eine Vielzahl von Beispielen und Methoden, die den Zugang zur Mathematik erleichtern, die die Neugier der Lernenden auslösen und eine nachhaltige Faszination ausüben. Und hat man mal den Spaß an der Mathematik erlebt, dann lassen sich auch mühsame Hürden leichter nehmen.

Es ist gut, neue und vergessene alte Wege zur Mathematik zu finden, gilt sie doch vielen als die Königin der Wissenschaften. Sie kann so hilfreich sein bei unserer Orientierung in komplizierten zivilisatorischen Strukturen. DasMatheMagikum entstand als anregender Abend in der Erwachsenenbildung mit der Frage: Was ist Mathematik? Für mich und für andere.

Mathematik ist ein Fachgebiet, das es wie wenige versteht, sich selbst derart auf zwei Zeilen zu reduzieren, dass sie farblos, unzugänglich und ohne echte Faszination für die Lernenden und Interessierten erscheint. Kann man das ändern?

Ja, das kann man ändern. Das 1 mal 1 lässt sich auch spielerisch erlernen. Es gibt eine alte Methode aus der Zeit von Leonardo da Vinci mit Hilfe der 10 Finger zu multiplizieren. Auf diese Methode stieß ich, als meine Tochter in der Grundschule war. Ihre Lehrerin war begeistert.

Schade dass diese Methode aus der Mathematikdidaktik im Lauf der Jahrhunderte verschwunden ist. Brauchbar ist sie auf alle Fälle für Schüler, die sich mit dem kleinen und großen 1 mal 1 herumschlagen müssen. Zur Einführung der Dualzahlen und weiteren spielerischen Multiplikation kann man eine alte abessinische Multiplikationsmethode verwenden, die auch bei den Mayas bekannt war.

Faszinierend finde ich auch die Verbindung der ururalten Fadenfiguren, dem Spiel mit der Kordel, zu den algebraischen Gruppen und der Theorie der Geflechte. Man könnte sagen, wer Fadenfiguren macht, übt algebraische Gruppen mit den Fingern. Darüber hinaus ist kaum ein Spiel kommunikativer als das Spiel mit der Kordel, einsetzbar zum Beispiel auch zur Bildung von Teams und Kleingruppen. Die Kordel hat meine Tochter und mich sehr erfolgreich durch eine ganze Reihe von Urlauben in fremden Ländern begleitet, diente dabei als Kommunikator und Spiel über die Sprache und körperliche Distanz hinweg.

Mir scheint, dass es uns Mathematikern zu wenig gelingt, Mathematik in Bildern und Gleichnissen zu vermitteln, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen und gleichzeitig das Wesentliche der mathematischen Teilgebiete auf den Punkt bringen.

Dabei hat die Mathematik so viele Anwendungen, so viele Grenzgebiete von der Philosophie bis zur Zauberei. Sogar die Erhöhung der eigenen Kooperationsbereitschaft lässt sich sinnvoll mit Argumenten aus der Spieltheorie begründen.

Mathematik darf auch Spaß machen.